Dr. Renate Wahrig-Burfeind

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Dr. Renate Wahrig-Burfeind, Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende

Geboren am 07.08.1959 in Neuss, verheiratet, vier Töchter
Berufliche Tätigkeit: Lexikografin
Hobbys und Interessen: Musik, Theater, Literatur
Kontakt: wahrig-burfeind@t-online.de

Seit wann bist Du bei den Grünen?

Seit 2010 engagiere ich mich bei den Grünen. 2011 wurde ich in die Stadtverordnetenversammlung der Kreisstadt Groß-Gerau gewählt, seit 2013 bin ich Fraktionsvorsitzende.

Gab es einen bestimmten Anlass oder eine Erfahrung in Deinem Leben, die Dich bewogen hat, in die Kommunalpolitik zu gehen?

Die Rücknahme des geplanten Ausstiegs aus der Atomenergie durch CDU und FDP im Jahr 2010. Dem Bau von Kernkraftwerken stand ich schon seit den 70er Jahren sehr kritisch gegenüber und fühle mich vielen Zielen der grünen Politik, besonders den Themen Umwelt-, Natur- und Tierschutz verbunden.

Was macht Dir bei Deiner Arbeit als Kommunalpolitikerin am meisten Freude?

Es macht mir Spaß, an der Gestaltung der Politik in Groß-Gerau teilnehmen zu können. Als Stadtverordnete muss ich mich häufig mit mir bislang unbekannten Themen wie Bauvorschriften, Bauplänen, Waldbewirtschaftung, Haushaltsplanung oder auch einzelnen Anliegen von Bürgerinnen und Bürgern auseinandersetzen. Ich beschäftige mich gern mit Dingen, die neu für mich sind.

Was belastet Dich in Deiner Arbeit als Kommunalpolitikerin am meisten?

Einige Themen, die wir Grünen angestoßen haben, werden von der Verwaltung nur sehr zögerlich umgesetzt und es ist sehr anstrengend, immer wieder die gleichen Nachfragen zu stellen oder immer wieder das gleiche Thema diskutieren zu müssen. Mitunter erhalten wir zu viele Unterlagen, die wir innerhalb eines kurzen Zeitraumes durchsehen und für die wir eine Stellungnahme entwickeln müssen. Die ehrenamtliche Tätigkeit stößt hier teilweise an ihre Grenzen.

Was sind Deine kommunalpolitischen Themen?

Meine besonderen Anliegen sind der Erhalt unseren Waldflächen und der Fasanerie sowie die Pflege von Grünflächen in der Kreisstadt. Auch das Thema „Energetische Sanierung“ verfolgen wir seit 2011 und ich hoffe, dass wir in dieser Legislatur eine Gesamtplanung bis 2030 für die Sanierung und den Erhalt der städtischen Liegenschaften in unserer Stadt entwickeln können. Wir benötigen dringend bezahlbaren Wohnraum, auch hierfür sollten wir weitere Gebiete entwickeln. Für mich ist es wichtig, dass die Verdichtung von innerstädtischen Flächen aus unserer Stadt keine Betonlandschaft macht – Grünflächen müssen auch zukünftig im Innenstadtbereich erhalten bleiben und Grundstücke sollten weiterhin den vorgesehen Anteil an Grünflächen aufweisen. Außerdem setze ich mich ein für die Entwicklung öffentlicher Begegnungsorte – dies halte ich auch für sehr wichtig, um die Integration der bei uns lebenden Geflüchteten zu fördern – wie Spielplätze, öffentliche Sportanlagen für Jugendliche (Skateranlage oder Baskettballfelder), Outdoor-Sportgeräte für alle Altersgruppen und die Sanierung von Haus Raiss.

Die Politik- und Wahlverdrossenheit ist groß im Lande. Wo liegen Deiner Meinung nach die Hauptgründe dafür und was willst Du dagegen tun?

Politik wird von vielen Menschen mit Bundespolitik gleichgesetzt. Auf dieser Ebene werden häufig von den Parteien viele Versprechungen gemacht und Vereinbarungen getroffen, die nicht eingehalten oder sogar in ihre Gegenteil verkehrt werden (zum Beispiel die Energiewende, die zunächst propagiert und dann massiv zurückgefahren wurde). Parteien und Politiker sind vielfach mit Unternehmen und ihrer jeweiligen Lobby eng verbunden und Entscheidungen werden von letzterer getroffen (bestes Beispiel ist das Thema TTIP und CETA oder Glyphosat). Dadurch wird Politik unglaubwürdig und entfernt sich immer mehr von den Bürgerinnen und Bürgern, deren Interessen sie nicht mehr vertritt.

 Was müssten die Parteien Deiner Meinung nach tun oder lassen, um das Vertrauen wiederzugewinnen?

Die Bundesparteien müssten Politiker unterstützen, die in ihrem Handeln glaubwürdig sind und den eigenen Standpunkt auch gegen andere vertreten können. Die derzeitige Bundespolitik beachtet nicht, dass unsere Gesellschaft zunehmend auseinandertriftet und das Ungleichgewicht zwischen Reichen und weniger wohlhabenden Menschen immer weiter zunimmt. In der Kommunalpolitik sollten die Parteien die Bürgerinnen und Bürger auffordern, sich aktiv an der Gestaltung der Kommunalpolitik zu beteiligen. In Groß-Gerau sind alle Parteien bestrebt, eine bürgernahe Politik zu gestalten. Gleichzeitig müsste noch stärker vermittelt werden, welche Dienst- und freiwilligen Leistungen in unserer Stadt die Lebensqualität erhalten – und dies muss leider auch finanziert werden. Das Interesse an Politik sollte auch bei jungen Menschen geweckt werden – zum Beispiel durch das Einbeziehen von Kommunalpolitik in den Schulunterricht.

Dein Lebensmotto?

Optimistisch bleiben und die Lebensfreude nicht verlieren.

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